Bericht: Aprilwanderung 2026 – von Schriesheim auf den Weißen Stein

Von Schriesheim tief in den Odenwald und zurück

Ganz früh am Morgen des 19. April regnete es noch kräftig, aber schon in Weinheim beim ersten Treffpunkt auf dem Parkplatz Denn‘s BioMarkt war damit Schluss, und zwar für den ganzen Tag. Mit diesen guten Aussichten durfte Dieter Schütz seine 26 erwartungsvollen WanderInnen auf dem Festplatz in Schriesheim um 9.30 Uhr begrüßen.

Schriesheim ist zum Schauen und Bummeln ein lohnendes Ziel. Es entstand als fränkische Siedlung und wurde erstmals im Jahr 764 urkundlich erwähnt. Viel später, nämlich im Jahr 1235, erbaute die Adelsfamilie der Strahlenberger ihre Burg dicht oberhalb des Ortes, ohne dazu das Recht zu haben oder eine Erlaubnis einzuholen, Grundherr war das Kloster Ellwangen.

Nach einigen Wirrungen einschließlich Verhängung der Reichsacht durften die Strahlenberger bleiben, sie bauten das kleine Dorf im Tal großzügig aus und sicherten es mit einer Mauer, bald folgten die Stadtrechte. Aber bereits 1347 verkauften die Strahlenberger Burg und Stadt an den Kurfürsten von der Pfalz, nach und nach starb auch die Adelsfamilie aus.

1470 wurde Schriesheim kriegerisch eingenommen und verlor dadurch 300 Gulden, die Stadtrechte und alle Weinvorräte bis auf den letzten Tropfen.

Auch später hatten Schriesheim und seine Bewohner noch viel auszuhalten. Heute hat „Schriese“ zusammen mit seinen Ortsteilen Ursenbach und Altenbach etwa 15000 Einwohner.

Weit in die Rheinebene hinaus sind die ehemaligen Steinbrüche von Schriesheim und Dossenheim sichtbar, ein Paradies für Kletterer, Gleitschirmflieger und etliche Tier- und Pflanzenarten. Das hiesige Gestein stammt aus den Ausbrüchen des Wachenberg Vulkans vor 270 Millionen Jahren. Dieser Quarzporphyr oder auch Rhyolith wird vom Ölberg bei Schriesheim, das Kanzelbachtal hinauf bis nach Altenbach und Ursenbach gefunden, am Bergstraßenrand bis nach Dossenheim. Hier ist das Gestein sehr vielfältig, von Tuffen und Aschen über Lapilli bis zu den wirtschaftlich interessanten kompakten Formationen. Vor allem für den Gleis- und Straßenbau wurde dieses Gestein verwendet und hat hunderten oder tausenden Bergsträßern von den 1880ziger Jahren bis in die Nachkriegszeit hinein Arbeit und Brot gegeben. Übrigens ist der Wachenberg auf Weinheimer Gemarkung Eigentum der Stadt Schriesheim, damit konnten die Schriesheimer zweimal am Wachenberg verdienen. So viel zum Hintergrund der Tour.

Nach einer kleinen Einführung von Dieter ging es dann am Kanzelbach und Resten der Stadtbefestigung entlang zur katholischen Kirche und zur Ruine Strahlenburg. Diese wurde jüngst von einer Bürgerstiftung erworben und wird gerade aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt, schon im Mai steht ein kleines Fest zur provisorischen Eröffnung an.

Weiter gings den Sporn des Ölbergs hoch zur Schwedenschanze mit einer kleinen Trink- und Verschnaufpause an der dazugehörigen Rasthütte. Die Gestaltung des Geländes hinter der Hütte spricht sehr für eine einfache Verteidigungsanlage, viel mehr ist darüber nicht bekannt. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war Schriesheim menschenleer.

Auf dem Weg zur Steinernen Jägerhütte blieben uns die Wolken erst einmal treu; ein wenig vom kühlen Nass träufelte noch vom frischen Laub der Bäume. Das kleine Jägerhäuschen ist stabil gebaut und hat ein massives Dach aus Sandstein, hält also jeglichen Unbilden stand. Hier beginnt auch der Buntsandsteinodenwald, und die Hälfte der Strecke bis zum Weißen Stein (548 hm) war geschafft.

Eine einleuchtende Erklärung für den Namen des Berges besteht in „Weiserstein“, also ein Weg weisender Stein, befindet sich hier doch als alter Höhenweg die „Hohe Straße“ zwischen Absteinach und dem Heiligenberg bei Heidelberg.

Der 108 Meter hohe Meldeturm der Telekom hat die Markierung perfekt gemacht. Älter als der „Fernsehturm“ sind ein 23 Meter hoher, von Bäumen überragter Aussichtsturm und ein sehr beliebtes Höhenrestaurant, welches auch bequem mit dem Auto von Dossenheim aus angefahren werden kann.

Bevor die Rucksäcke zur Zwischenrast geöffnet wurden, fragte Dieter sicherheitshalber im Lokal nach, und konnte uns tatsächlich hereinwinken, denn eine andere Gruppe hatte kurzfristig abgesagt. Wir bekamen einen windgeschützten und trockenen Platz auf der Terrasse, und als Belohnung für die leergegessenen Teller kam auch gleich die Sonne heraus, sie begleitete uns bis zum Schluss.

Der Rückweg war weiter als der Hinweg, zum Glück gings überwiegend bergab, zunächst auf dem schmalen Sträßchen nach Dossenheim, dann auf dem einen oder anderen Pfad und Weg, darunter auch der Burgensteig. Die Bachspring, das Mühltal von Dossenheim und der Kottenbrunnen zogen gewissermaßen vorbei.

Wer das noch mal nachwandern möchte, sollte diesen Teil der Wanderung aufgezeichnet haben, etwa mit dem Handy. Alle freuten sich nun, als die Schauenburg von Dossenheim auftauchte, Unentwegte gingen zur Besichtigung, andere wieder genossen einfach den Blick auf die Ruine mit dem Steinbruch Vatter und der Rheinebene im Hintergrund.

Die Schauenburg bestand von Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1460, als sie Dank der Verbesserung der militärischen Fertigkeiten erobert und geschleift wurde.

Für den Weg zurück nach Schriesheim hatte Dieter den Blütenweg herausgesucht, der seinem Namen alle Ehre machte. Viele Spaziergänger von jung bis alt waren hier mit uns unterwegs und genossen die herrliche Sonne des Spätnachmittags.

Am Schluss dankte Elisabeth im Namen der Wandergruppe herzlich Dieter für den schönen Tag.

Tourlänge: 18,5 km, 550 hm

Hans Schlabing 22.04.2026